„Schö staad wird’s im Woid“ – oder: Zentinger Chöre stimmen auf Weihnachten ein
Horst Janson beim 33. Zentinger Advent zu Gast – „volles Haus“ – Zentinger Chöre luden ein

 

Bericht: Georg Thurnreiter

Zenting. Der „Zentinger Advent“, heuer zum 33. Male von den Zentinger Chören und der Tourist-Info veranstaltet, zieht traditionell viele Freunde gehaltvoller Advents- und Weihnachtslieder an, die weit über die Zentinger Gemeinde hinaus am dritten Adventsonntag der Zentinger Pfarrkirche St. Jakobus zustreben. So war auch heuer wieder das Gotteshaus „rappelvoll“, ja, man hatte sogar zusätzlich Stühle in den Mittelgang gestellt, um allen Zuhörern einen Sitzplatz bieten zu können.

Das Konzert konnte heuer neben den Zentinger Gesangs- und Instrumentalgruppen – Frauen-, Männer- und Kirchenchor, Erlenberg- und Okarina-Musi sowie Franz Xaver Oswald (Orgel), Ralf Blitz (Violine) und Pfarrer Manfred Wurm als Sprecher – mit einem „besonderen Gast“ aufwarten: den international bekannten und renommierten Schauspieler Horst Janson, der sicher noch vielen als chaotisch-liebenswürdiger Student „Bastian“ in der gleichnamigen Serie, aus der Kult-Serie „Salto Mortale“ oder aus so manchem „Tatort“ in Erinnerung geblieben ist. Aktuell hat er erst an einem „SOKO München“-Krimi mitgewirkt und war in verschiedenen Bühnenstücken und Dichterlesungen präsent.

Nach der von Franz Xaver Oswald (Orgel) und Ralf Blitz (Violine) von der Empore herab intonierten barocken Eröffnungsmelodie „Air“ aus der Suite in D-Dur von J.S. Bach, begrüßte Bürgermeister Leopold Ritzinger die zahlreichen Gäste, besonders aber den aus München mit Ehefrau und Tochter angereisten Schauspieler Horst Janson, der mit Chorleiter Dr. Stephan Vollath befreundet und deshalb zum diesjährigen Adventsingen gekommen sei, um es mit Gedichten und Geschichten zu bereichern. Zenting könne sich glücklich schätzen, so Ritzinger, gerade in Sachen Musik, Chorgesang und volkstümlicher Kultur außergewöhnlich viel bieten zu können. „Das ist für eine kleine Landgemeinde sicher nicht alltäglich“, betonte er. Dies sei vor allem der jahrzehntelangen Arbeit von Dr. Stephan Vollath zu danken, der auch diesmal wieder die Gesamtleitung inne habe. Dank sagte der Bürgermeister auch Pfarrer Manfred Wurm für die Bereitstellung der Kirche und allen „fleißigen Helfern“, welche Kirche und Christbäume schmückten und dekorierten, sowie Karl Maier für die Bereitstellung der Lautsprecheranlage.

In ansprechender, knapp zweistündiger Programmfolge, die Stephan Vollath zusammengestellt hatte, führten die Mitwirkenden vom beginnenden Advent hin zur „Heiligen Nacht“ und ließen die Zuhörer eintauchen in die „staade Zeit im Woid“ und einstimmen in das hoffnungsvolle Schlusslied „Tochter Zion, freue dich!“, dem ein wohlverdienter, stürmischer und langanhaltender Applaus und „stehende Ovationen“ folgten. Die Begeisterung der Zuhörer ließ es in den, an den Ausgängen bereitgestellten Spendenkörbchen „silbern“ klingen und papieren rascheln.

Den Reigen eröffnete die „Erlenberg-Musi“ – Ursula Lückhof und Helmut Reinhardt (Hackbrett), Ernst Prasser (Akkordeon) und Patrick Schiller (Gitarre) – mit der „Andachtsmusi Nr. 4“ von Heinz Gratz. Vom „Marien-Advent“ (von Max Eham) erzählte der Kirchenchor. Während die Kerzen in den Bänken entzündet wurden, zitierte Pfarrer Manfred Wurm aus der Bibel „Am Anfang war das Wort“, von Franz Xaver Oswald (Orgel) mit „Improvisationen“ des Kanons „Mache dich auf und werde Licht“ untermalt, den der Kirchenchor anschließend zu Gehör brachte. Beim „Interview mit dem Weihnachtsmann“ von Erich Kästner erfuhren die Zuhörer, was der „Heilige“ sonst das ganze Jahr über macht, aber auch von der bitteren Erkenntnis, dass ein u.a. fehlendes Feuerzeug den Abend ganz schön verderben kann, wie Horst Janson in seiner vorweihnachtlichen Betrachtung schmunzelnd feststellte.

Im Duett berichteten Stephan Vollath (Josef), Gabi Fischer (Maria) und Lilli Vollath von der „Kraft der Armen“ von Tobi Reiser und die Erlenberg-Musi setzte die „Elkofener Adventsmusik (Markus Kramer) drauf. Nachdem Pfarrer Manfred Wurm wiederum aus der Bibel die Nachricht an Josef über die Empfängnis Mariens rezitiert hatte, tröstete der Frauenchor „O Josef, liaber Josef mein“ nach Tobi Reiser, im Satz von und an der Orgel mit Stephan Vollath. Fünf höchst glaubhaft „berechnete“ Beweise, dass es den Weihnachtsmann nicht geben kann (Peter Roetscher) ließen Horst Janson zu dem Schluss kommen: „Wenn der Weihnachtsmann wirklich all die Geschenke gebracht hat, hat er das nicht überlebt“. Blühende Kindergesichter überstrahlten die Lichter am „Weihnachtsbaum“ nach einem Gedicht Joachim Ringelnatz und „Die Weihnachtsmaus“ (James Krüss) wurde immer nur vor den Weihnachtstagen gesichtet, „bis alle Süßigkeiten aufgegessen“ waren. Diese heiteren Geschichten brachten so manchen zum Schmunzeln oder lockten gar ein verhaltenes Lachen hervor.

Auf die Gnade, die Maria widerfahren war, deutete das „Ave Maria“ (Giulio Caccini) hin, das Ralf Blitz und F.X. Oswald einfühlsam intonierten und der Kirchenchor bat „Tollite Hostias“ (aus dem „Weihnachtsoratorium“ von Camille Saint-Saens) – Bringt Geschenke dar, und betet den Herrn an. Eine „Romanze“ von Robert Jones (F.X. Oswald) und „a staade Weis“ von Markus Kramer (Erlen-berg-Musi) folgten, bevor Horst Janson sich mit dem „idealen Wuchs“ eines Prachtexemplars und den Sorgen „Oma Reimers unterm Weihnachtsbaum“ (beides von Hans Scheibner) befasste, bei „Der Weihnachtsmann spricht“ (Hans Peter Schreiner) über die Undankbarkeit der Menschen ha-derte und gute Ratschläge von Joachim Ringelnatz über das „Schenken“ weitergab: „Bedenke, das größte Geschenk bist du selbst“.

Der Männerchor stimmte dann auf „an Winta zua“ (Text: Ilse Trepl, Melodie: Stephan Vollath) ein, während Franz Xaver Oswald bei einer „Sarabande“ von Robert Jones alle Orgel-Register zog. Den „Okarina Landler“ spielte passend die „Okarina-Musi“ (Stephan Vollath und Ralf Blitz) auf, wäh-rend die Erlenberg-Musi den „Andachts-Ländler“ von Wenzel Soukop und der Männerchor „Geh‘ Brüader wißt’s ös scho“ von Tobi Reiser zu Gehör brachten. „Die heilige Nacht“ beschrieb Horst Janson nach der Erzählung von Selma Lagerlöf und die Okarina- und die Erlenberg-Musi ließen gemeinsam den „Algunder Landler“ (Franz Mur) erklingen, bevor der Männerchor zum Ausklang feststellte „Schö staad wird’s im Woid“ (E.Hubrich/F.Neumaier) – „Zeit wird’s zum Metten geh’n“.

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