Mit Blasmusik auf Entwicklungshilfe im Kongo

Ein Bericht von Georg Thurnreiter

Zimmerermeister Richard Reger aus Vohenstrauß half zwei Monate einem Augustiner Missionar

Am Freitag hatte der Pfarrverband zu einem besonderen Vortrag in den „Alten Pfarr-hof“ nach Thurmansbang eingeladen: Zimmerermeister Richard Reger aus Vohenstrauß berichtete beredt über seinen Arbeitsaufenthalt bei dem Augustiner-Missionar P. Ferdinand Bodensteiner OSA im kongolesischen Urwald.
Diesen habe er im Nachbardorf seines Wohnortes Böhmischbruck kennengelernt und vor drei Jahren dann in Afrika besucht. Dort betreue Pater Ferdinand ein Gebiet von der Größe Unterfrankens und habe mit Hilfe von Spenden in Ndendule ein Ausbildungszentrum geschaffen, in dem die einheimi-sche Bevölkerung u.a. in Ackerbau, Viehzucht, Hausbau, Haushalt und Hygiene unterwiesen werde, um zuhause mit diesen Grundfähigkeiten die Aufgaben des täglichen Lebens besser bewältigen und so wenigstens teilweise den täglichen Nahrungsbedarf decken zu können.
Der Kongo war seit 1870 eine „Privat-Kolonie“ des belgischen Königs Leopold II., der durch seine Grausamkeiten gegenüber der Bevölkerung traurige Berühmtheit erlangte. Man schätze, dass er bis 1908 rund zehn Millionen Menschen ausgerottet habe. Danach blieb das Gebiet, acht Mal so groß wie Deutschland, bis 1960 belgische Kolonie. Heute zähle das drittgrößte Land Afrikas zu den ärm-sten der Welt, so Reger in seinem geschichtlichen Überblick.
Mit Bildern und kurzen Videos erzählte Reger von dem entbehrungsreichen und gefährlichen Leben im Dschungel sowie über die segensreiche, nie endende Arbeit des Missionars, der seit 1971 im nord-östlichen Urwaldgebiet der Demokratischen Republik Kongo Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Mit Blas-musik sei er, Reger, nach einem abenteuerlichen Flug in Amade begrüßt worden. Weiter ging es auf dem Landweg, der allerdings diesen Namen nicht verdient habe, zur Missionsstation am Uelle-Fluß.
„Die Eingeborenen leben von der Hand in den Mund“, musste er feststellen. Es gab keinerlei Erwerbs-möglichkeit, wovon sie sich z.B. Schulgeld und -kleidung hätten leisten können. Auf den zu Schlamm-löchern verkommenen Straßen komme seit Jahren kein LKW mehr durch, auch der Pater müsse mit seinen Spritreserven haushalten. So komme er oft nur alle zwei bis drei Jahre in die entlegeneren
Gebiete, um Gottesdienst zu halten. Dieser werde dann zum Dorffest mit oft über 150 Besuchern. Der Staat kontrolliere immer wieder die Einhaltung der rigorosen Vorschriften und sei schnell mit Strafen zur Stelle. Doch neue Schulen, die einheimischen Lehrer sowie der Unterhalt der Straßen werden von den Missionaren bezahlt.
Mit dem Pater habe er sich auf ein „Prestigeobjekt“ verständigt: ein großes Boot, das für den Transport von Gütern auf dem Fluss wertvolle Dienste leisten würde. Der Fluss sei nämlich mit Krokodilen und Nilpferden „verseucht“, die zur tödlichen Gefahr werden konnten. Ein einheimischer Bootsbauer benö-tige für ein Boot, für das er einen großen Baumstamm mit primitivsten Mitteln aushöhlen müsse, über ein Jahr. Er, Reger, habe sich dafür 15 Stunden zum Ziel gesetzt. Bereits über ein Jahr zuvor wurden die benötigten Bretter „bestellt“. Das Boot wurde schließlich schweigend zum Fluss getragen und erst als es die Palmwein- und Wassertaufe bestanden hatte, wurde der Bootsbau mit Gesang und Tanz ge-feiert.
Außerdem habe er ein „Hexagon“-Pflaster unter einem Sonnenschirm, der als Dorftreffpunkt dient, verlegt. Zum Verfugen hatte man einen Sack Zement und Flusssand zur Verfügung, der von den Schul-kindern mit Schüsseln und Tellern zur Baustelle gebracht wurde. Auf den Dorfplätzen war ihm aufge-fallen, dass sie alle jeden Tag peinlichst sauber gekehrt wurden. Das geschehe als Vorsorge vor den Schlangen, die sich dadurch nicht unter Laub verkriechen können, klärte ihn der Pater auf. Eine ausge-wachsene Python könne nämlich sogar einen ganzen Menschen verschlingen. Die in „Leichtbauweise“ errichteten Dachstühle auf den Gebäuden würden in der Regenzeit immer wieder mal fortgetragen, be-richtete Reger in seinem unverfälschten oberpfälzer Dialekt. Da half er kurzerhand bei der Neuerrich-tung auf einem Sakristei-Gebäude mit – eine schweißtreibende Arbeit bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit.
„Da lernte ich den Palmwein als erfrischendes Getränk kennen und lieben“, schmunzelte der Zimme-rermeister. Ansonsten werde von den Eingeborenen Trockenreis auf zuvor brandgerodeten Flächen an-gebaut und das Palmöl aus den Palmkernen gepresst. Der Pater habe dafür gesorgt, dass kleine Herden von Kühen, Schafen und Hühnern gehalten, Fischteiche mit Tilapia-Fisch sowie Gärten für Gemüse und Heilkräuter angelegt wurden. In einem Brennofen können nun Backsteine und Dachziegel ge-brannt und in einer Schreiner- und Fahrradwerkstätte kleinere Reparaturen selbst ausgeführten werden. Über die von ihm angebrachte Sonnenuhr, die am Äquator nur zweimal am Tag – mittags und abends – die Zeit anzeigt, freuten sich nicht nur die Patres.
Vor seiner Heimreise machte er nochmals Station im Kloster Amade, wo er zum Abschied auf einer Sänfte getragen wurde. So ging nach zwei Monaten sein „afrikanisches Abenteuer“ zu Ende, bei dem er nicht nur interessantes, sondern unmöglich geglaubtes erleben durfte. „Das Gesicht des Kongo“ be-titelte er ein letztes Bild von einem Mädchen, das mit hellen, wachen Augen in die Kamera blickt – wissbegierig und offen für ein besseres Leben in der Zukunft. Um dazu einen kleinen Beitrag zu leis-ten, habe er ein Spendenkörberl aufgestellt, so Richard Richter abschließend. Da es im Missionsgebiet kein Bankensystem gebe, können die Spenden nur persönlich überbracht werden. Damit sei auch ge-währleistet, dass jeder Spenden-Cent ankommt. „Unser Applaus kommt von Herzen“, betonte Pfarrer Benedikt Oswald, der humorvoll darauf hinwies, dass schon die „Schein-Werfer-Zeit“ angebrochen sei. Spenden nehme auch die „Missionsbrücke Moosbach-Ndendule, D.R. Kongo e.V.“ entgegen, die seit 2007 die Arbeit des Paters unterstütze.

Kontakt: info@missionsbruecke.de – Info: www.missionsbruecke.de – Spendenkonto: Raiff.Bank Moosbach – IBAN DE 21 7536 3189 0003 2195 50, BIC GENODEF1NEW

Foto: Thurnreiter
Pfarrer Benedikt Oswald (links) und Zentings Kirchenpfleger Georg Drasch (rechts) dankten Richard Reger und seinem Sohn Michael für den interessanten und aufschlussreichen Vortrag über die Missions- und Entwicklungshilfe im Kongo. – Foto: Thurnreiter

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